Argumentation: Die Verwendung eines Pseudonyms – Pro und Contra

Im folgenden zeigen wir mal, wie man eine Frage im Pro und Contra erörtern kann. Uns kommt es dabei darauf an, nicht erst alles aufzuzählen, was dafür spricht, und dann alles, was dagegen spricht.

Besser ist es, jeden einzelnen Punkt im Für und Wider zu behandeln, bis man seinen Wert bzw. sein Gewicht erkannt hat.

Denn in der Wirklichkeit sind die Bereiche einer Erörterung wichtiger als nur einfach das Für und Wider.

  1. Ausgangspunkt:
    Mit einem Pseudonym werden sowohl positive Dinge verbunden als auch negative.
  2. Die Situation:
    1. Ganz selbstverständlich akzeptiert man, dass ein Roman-Autor ein Pseudonym verwendet, also unter einem ausgedachten Namen schreibt.
      1. Das hängt u.U. damit zusammen, dass er gar nicht möchte, dass alle, die ihn kennen, auch wissen, dass er eben dieser Autor ist.
      2. Vielleicht möchte er auch nicht – ähnlich wie ein Lotto-Gewinner – dass seine Nachbarn wissen, dass er mit dem Schreiben viel Geld verdient.
    2. Es gibt aber auch viele Bereiche, in denen man es nicht gut findet bzw. erlaubt, dass jemand unter einem Pseudonym schreibt. So ist das etwa bei Leserbriefen, bei denen man in der Regel sogar seine Adresse angeben muss.
    3. Ähnliches gilt auch für den Bereich der Wissenschaft: Hier dürfte es wohl die absolute Ausnahme sein, dass jemand ein Buch unter einem Pseudonym veröffentlicht.
  3. Die Problematik:
    1. Was den Leserbrief angeht,
      1. Bei einem Leserbrief kann man es noch verstehen. Da schreibt jemand möglicherweise ziemlich böse Dinge bis hin zu Beleidigungen.
      2. Aber die braucht die Zeitung ja nicht zu veröffentlichen, sondern wirft sie am besten in den Papierkorb.
      3. Sollten sie gar Drohungen enthalten, muss ggf. die Polizei eingeschaltet werden.
      4. Wenn jetzt jemand sagt, deswegen braucht man ja Namen und Adresse, so ändert das ja nichts daran, dass jemand seine Drohungen auch unter falschem Namen oder ganz ohne entsprechende Angaben verschicken kann.
    2. Was die Wissenschaft angeht,
      1. kann man das insofern verstehen, als man bei einem berühmten Professor nicht erst meint prüfen zu müssen, ob es sich um einen Fake handelt.
      2. (Achtung: Dialektischer Sprung auf die andere Seite):
        Das aber genau ist das Problem: Man schaut nicht mehr genau hin, wenn jemand schon einen Namen hat, und vergisst, dass man einen Namen auch verlieren kann – wenn die damit verbundenen Gedanken nicht überzeugen.
      3. Deshalb spricht vieles – wie übrigens bei anonymen Bewerbungen – dafür, dass man auch in der Wissenschaft Gedanken erst mal anonym veröffentlicht und sich ggf. später dazu bekennt.
      4. Das ist natürlich wichtig, weil in der Wissenschaft auch der persönliche Austausch zählt – und der ist in der Regel leichter möglich, wenn man weiß, mit wem man es zu tun hat.
      5. (Achtung: Dialektischer Sprung auf die andere Seite):
        Aber auch da haben wir schon wieder das Problem: Man weiß es eigentlich nie bei einem Menschen, ob man ihm hundertprozentig trauen kann. Und die Gefahr ist also auch hier immer noch gegeben, dass man es so macht wie in dem berühmten Pilotenbeispiel:
        Da tankt der Flottenkapitän (das ist der höchste Pilot bei einer Airline) zu wenig Sprit – und der noch junge Kopilot wagt es in seiner Aufregung nicht, ihn darauf hinzuweisen. Er meint eben, neben einem Halbgott zu sitzen – und es ist auch nur ein Mensch.
  4. Fazit:
    1. Grundsätzlich spricht vieles dafür, dass man weiß, mit wem man es zu tun hat.
    2. Wenn es aber um wissenschaftliche Wahrheit oder einfach um Sachfragen geht, kann es auch besser sein, wenn nur der Gedanke zählt und nicht die Person, die sie geäußert hat.
    3. Vielleicht wird dann auch das Zusammenspiel der politischen Parteien in der Demokratie noch „zielführender“, wenn ein Antrag nicht nur deshalb abgelehnt wird, weil er von der Gegenseite kommt.
  5. Weiterführende Hinweise